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Bandscheibenvorfall

ARTIKEL von Stefan Füger | 19.03.2015

Schmerzhafte Bandscheibenvorfälle

Bandscheibenvorfälle bezeichnen eine verschleißbedingte Veränderung an einer oder mehreren Bandscheiben.

Die Bandscheibe kann dabei in den Bereich der Nervenbahnen des Rückenmarks verrutschen und teils helftige Schmerzen auslösen. 

Der Großteil kann konservativ behandelt werden. Einem Teil versuchen Ärzte operativ Herr zu werden. 

Viele Bandscheibenvorfälle bleiben jedoch auch unentdeckt und lösen keine Beschwerden aus. 

 

Um die Ursachen eines Bandscheibenvorfalls zu verstehen, musst Du Dir den Aufbau der menschlichen Wirbelsäule vergegenwärtigen. Beim Erwachsenen besteht diese aus 25 Wirbelkörpern - aber nur 23 dazwischenliegenden Bandscheiben. Zwischen den beiden obersten Wirbeln fehlt die Bandscheibe. 

Die Bandscheibe ist als gallertartiges Kissen zwischen den Wirbelkörpern zu verstehen. Beim Gesunden wird die Bandscheibe nicht von Blutgefäßen versorgt. Ähnlich wie ein Schwamm vermag sie bei Belastung Wasser abzugeben und bei Entlastung wieder Flüssigkeit aufzunehmen (sogenannte Diffusion).

Unter Belastung der Wirbelsäule überwiegt der Flüssigkeitsabstrom aus der Bandscheibe, so dass die Wirbelsäule und damit die Körpergröße über Tag um bis zu 2 cm abnimmt. Entsprechend wichtig sind auch Ruhephasen, Entspannung, etc. Bildlich gesprochen wird die Bandscheibe durch den Wechsel aus Be- und Entlastungsphasen ernährt. Bandscheiben erholen sich beispielsweise während Deiner Nachtruhe.

Wegen der langen Transitstrecke für die Diffusion ist die Ernährungssituation der Bandscheibe kritisch. Im Alter ist eine Degeneration des Bandscheibengewebes daher leider normal.

Biomechanisch hat die Bandscheibe zwischen den Wirbelkörpern eine Pufferfunktion vergleichbar mit einem Kissen, das sich je nach Belastung verformen läßt. Ihre parallele Lage zwischen je zwei Wirbelkörpern verteilt die entstehende Belastung auf den Querschnitt dieser Wirbelkörper - allerdings nicht immer gleichmäßig.

Sie wirkt bildlich gesprochen wie ein Stoßdämpfer und erlaubt gleichzeitig limitierte Bewegungen in alle Richtungen.

Da die Bandscheibe, wie gesagt, nicht über Nerven verfügt, werden wir bei Überbelastung auch nicht durch warnende Scherzen informiert. Wir nehmen dies erst dann wahr, wenn wir unserem Bewegungsapparat zu viel angetan haben.

Die Ursachen können vielfältig sein. Neben genetischen Schwächen dürfte die Ursache häuftig zumindest teilweise in zu schwach ausgebildeter Muskulatur im Bereich der Wirbelsäule, einseitiger Belastung und nicht ausreichenden Ruhe- und Erholungsphasen liegen.

Bewegungsmangel genauso wie zu lange Fehlhaltungen im Sitzen dürfte also eine entscheidende Rolle spielen. Einzelne Studien weisen Übergewicht als zumindest negativ unterstützenden Faktor nach.

Die Belastung auf die Bandscheiben nimmt von oben nach unten zu - entsprechend nehmen auch die Wirbelkörper an Größe zu.

Der Hauptbelastungspunkt liegt beim fünften Lendenwirbel. Ein Grund, warum ein Großteil (man spricht von etwa 70 Prozent) der Rückenerkrankungen in diesem Bereich liegen.

Der durchschnittliche Bandscheibenvorfall ereignet sich im Alter von ca. 40 Jahren. Es trifft also besonders auch jüngere Menschen.

Ein Vorfall kann direkt nach hinten oder nach schräg seitlich hinten Nervenfasern komprimieren. Je nach vorhandener Richtung kommt es zu einer anderen klinischen Symptomatik.

Im Bereich der Brustwirbelsäule kommt ein Bandscheibenvorfall relativ selten vor. Der Brustkorb schützt einerseits die Wirbelsäule. Und andererseits verringert er die Beweglichkeit de einzelnen Wirbelkörper zueinander zwischen denen die Bandscheiben liegen. 

Durch die geringere Mobilität können auch weniger extreme Belastungen durch Fehlbewegungen auf diesen Teil der Wirbelsäule wirken, so dass sich in diesem Bereich entsprechend weniger Bandscheibenvorfälle ereignen.

Den einen typischen Verlauf von Bandscheibenvorfällen gibt es nicht. Einflussfaktoren können sein: 

  1. Bewegt sich die Bandscheibe direkt nach hinten oder seitlich nach hinten?
  2. In welchem Bereich der Wirbelsäule verschiebt sich die Bandscheibe?
  3. Wie weit bewegt sich die Bandscheibe aus ihrer natürlichen Position heraus?
  4. Wie stark werden Nervenfasern gereizt oder gar blockiert?
  5. Wie stark ist die Muskulatur des Rückens insgesamt ausgebildet?
  6. Alter der Betroffenen?

Der Verlauf eines Bandscheibenvorfalles ist typischweise gutartig. In der Regel erfolgt eine konserverative, also nicht operative, Behandlung der Verschiebung der Bandscheibe. 

Den operativen Eingriff wählen Ärzte notgedrungener Weise dann, wenn der Vorfall den unteren Lendenwirbelbereich betriff und Blasen- und Mastdarmfunktion beeinträchtigt oder Lähmungserscheinungen in den Extremitäten folgen.

Nicht jeder Bandscheibenvorfall äußert sich in Beschwerden.

Interessanterweise werden beispielsweise in mehr als 60% bei der Untersuchung alter Menschen ohne Symptome Bandscheibenvorfälle als Zufallsfund diagnostiziert.

Werden jedoch Nervenfasern über einen bestimmten Schwellenwert hinaus mechanisch beeinträchtigt, kann sich das in Schmerzen, Gefühlsstörungen oder motorischen Schwächen äußern.

  • Bandscheibenvorfälle im Bereich der Halswirbelsäule können Symptome im Bereich der Arme und Hände verursachen.
  • Bandscheibenvorfälle im Bereich der Lendenwirbelsäule können zu Ausstrahlungen in die Beine und Füße führen.
  • Im Bereich der Brustwirbelsäule sind Bandscheibenvorfälle aufgrund der hohen mechanischen Stabilität des Brustkorbes mit Rippen und Brustbein eine Rarität.

Bandscheibenvorfälle werden aus Sicht von Experten zu oft operiert. Einzelne Quellen sprechen davon, dass 50% aller Operationen an der Bandscheibe irrelevant seien. Jeder 12. Patient leidet nach Bandscheibenoperationen an mehr Schmerzen als zuvor.

Nur bei einem Wirbelbruch, einem drohenden Funktionsverlust der Muskeln oder wenn ein Nerv gefährdet ist, muss operiert werden.

Dennoch werden jährlich in Deutschland 160.000 bis 200.000 Rücken operiert - je nach Quelle. Rückenschmerzen verursachen jährlich bis zu 50 Milliarden Euro Kosten für die Behandlungen und den Ausgleich der Fehltage. Zwar kommunizieren unterschiedliche Quellen verschieden hohe Zahlen. Jedoch müsste ein Teil dieser Kosten nicht sein, ließen sich Rückenbeschwerden vermeiden.

Lediglich 2% der Rückenschmerzen sind auf Bandscheiben zurückzuführen. Hingegen werden gerade an Bandscheiben häufig kostspielige Operationen vorgenommen.

Der Krankenhausreport 2013 der AOK kommt nach der Auswertung von 45 Millionen Patientendaten des Zeitraumes 2005 bis 2011 ebenfalls zum Schluss, dass die Zahl der Operationen insgesamt in Deutschland ansteige – aber nicht jede medizinisch notwendig sei.

Die Zahl stationärer Behandlungen stieg seit 2005 um nahezu 12% je Einwohner. Bis 2011 sei die Zahl der Krankenhausaufenthalte innerhalb von 20 Jahren um fast 25% gewachsen. Besonders wichtig:  zwei Drittel des Zuwachses seien nicht durch demographischen Wandel erklärbar! Die Zahl der stationären Behandlungen sei vor allem in jenen Bereichen gestiegen, "die wirtschaftlichen Gewinn versprechen".

Wirbelsäulenoperationen erfreuen sich scheinbar besonderer Beliebtheit. Bei AOK-Patienten hat sich deren Anzahl innerhalb von fünf Jahren bis 2010 verdoppelt.

Die Aussage, dass jeder Bandscheibenvorfall durch Vorbeugung verhindert werden könnte, ist sicherlich falsch. Unser Körper unterliegt in verschiedenen Bereich im Zeitverlauf einer Degeneration - und davon bleiben leider auch unsere Bandscheiben nicht verschont. 

Aber, wie gesagt, muss nicht jede "normale", altersbedingte Verschlechterung der Bandscheiben auch zu einem Bandscheibenvorfall führen - und nicht jeder Bandscheibenvorfall geht wiederum mit Schmerzen einher. 

Gezielter Muskelaufbau im Rückenbereich ist sicherlich angebracht. Allgemein gültige Aussagen zu treffen welche Sportart hilft ist schwierig. Hierzu lässt Du Dich am besten von deinem Orthopäden beraten, der die Situation deines Rückens einschätzen können sollte.

Grundsätzlich als hilfreich zu erachten sind Sportarten wie Schwimmen, Tanzen oder Laufen, die sowohl Muskelaufbau als auch Entlastung für die Bandscheiben bringen können - sofern richtig ausgeführt.

Daneben könntest Du gezielte Rückengymnastik in Rückenschulen oder bei Physiotherapeuten bzw. rückenorientiertes Gerätetraining jeweils unter Anleitung von Experten in Betracht ziehen.

Auch  hier ist es wichtig, vor dem Training eine Bestandsaufnahme der körperlichen Verfassung, insbesondere der Rückenmuskulatur, durchzuführen, um darauf aufbauend einen passenden Trainingsplan zu entwickeln, der dann wiederum unter professioneller Anleitung umgesetzt und ggf. angepasst wird. 

Wenn du zu den Mensch gehörst, die täglich viele Stunden während einer Bürotätigkeit sitzen, solltest du unbedingt auf die ergonomische Gestaltung deines Arbeitsplatzes achten, z.B. die für deine Bedürfnisse optimale Einstellung deines Bürostuhls. Zudem lassen sich die negativen Auswirkungen langer Sitzphasen laut einer wissenschaftlichen Studie durch entsprechend körperliche Betätigung kompensieren.

Darüber hinaus empfiehlt es sich häufig die Sitzposition zu ändern (man spricht hier von dynamischem Sitzen) und ausreichend Pausen in den Arbeitstag zu integrieren, um zwischendurch aufzustehen. Gelegentlich können sich auch Lockerungsübungen anbieten, die im Büro einfach in den Pausen umzusetzen sind.

Außerhalb des Büroalltags solltest Du dein Alltagsverhalten für mögliche Belastungen sensibilisieren, z.B. das Heben eines Kasten Wassers. 

Mehr zum Thema findest Du hier:

Zur Verfügung gestellte Informationen ersetzen keine individuelle Beratung und Untersuchung durch einen Arzt. Sie sind mit dessen Diagnose nicht gleichzusetzen.

Die Informationen sind nicht dafür da, Ferndiagnosen zu stellen oder konkrete Behandlungsmethoden für den Einzelfall zu empfehlen.

In Kommentar- und Forenbeiträgen enthaltene Hinweise ersetzen ärztlichen Rat nicht.

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