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Wirbelsäule, Bandscheiben und Rückenmuskulatur

Faszien


Warum der Rücken schmerzt?

ARTIKEL von Stefan Füger | 08.12.2016

Bewegungsmangel häufige Ursache von Rückenschmerzen

Mangelnde Bewegung ist eine häufige Ursache warum der Rücken schmerzt.

Krankhafte Veränderungen am Knochengerüst samt der Bandscheiben machen den kleineren Teil der Ursachen von Rückenschmerzen aus.

Aufbau des Rückens

Warum uns der Rücken schmerzen hängt mit dem speziellen Aufbau des Rückens zusammen und damit wie wir mit ihm umgehen. Wirbelsäule, Bandscheiben, Gelenke, Faszien und Muskulatur bilden ein komplexes Konstrukt, das wir in seine Gesamtheit als unseren Rücken bezeichnen.

Gerät ein Bereich oder ein „Baustein“ aus dem Gleichgewicht, kann das System empfindliche Störungen erfahren:

  1. Bandscheiben können sich verschieben (Bandscheibenvorwölbung oder Bandscheibenvorfall).
  2. Die Form der Wirbelsäule kann sich verändern, z.B. seitlich verbiegen oder verdrehen (Skoliose), aufgrund entzündlicher Prozesse (Morbus Bechterew) oder wachstumsbedingter Deformationen (Morbus Scheuermann) zu einem Buckel neigen und sich in sonstiger Weise verändern (beispielsweise Hohlkreuz).
  3. Die Stabilität der Wirbelsäule kann durch verschiedene Krankheitsbilder leiden (beispielsweise Spondylolisthesis).
  4. Faszien können verkleben und zu Muskelverspannungen führen.
  5. Ungeschickte und ruckartige Bewegungen können zu Schmerzen im unteren Rücken führen („Hexenschuss“).
  6. Fehlstellungen an Gelenken können die Beweglichkeit einschränken (ISG-Blockade).
  7. In Folge von Abnutzungserscheinungen können Nerven im Rückenmarkt komprimiert werden (Spinalkanalstenose)

Alle Situationen können mit mehr oder minder starken, temporären oder anhaltenden Rückenschmerzen einhergehen. Bleiben Schmerzen über einen längeren Zeitraum bestehen, sprechen Experten zunächst von subakuten und später von chronischen Rückenschmerzen.

Um zu verstehen warum uns der Rücken schmerzt, möchten wir nun nachfolgend kurz den Aufbau unseres Rückens erklären.

Wirbelsäule

Die Wirbelsäule lässt sich grob in drei Abschnitte einteilen:

  1. Halswirbelsäule.
  2. Brustwirbelsäule.
  3. Lendenwirbelsäule.

Die Beweglichkeit der Wirbelsäule ist im Bereich des Halses und im unteren Rücken am größten. Im mittleren Abschnitt schützt der Brustkorb mit seinen Rippen zwar Herz und Lungen, schränkt aber gleichsam die Beweglich an dieser Stelle ein.

Die einzelnen Wirbelkörper weisen zueinander lediglich eine geringe Beweglichkeit auf. In der Summation ergibt sich dennoch ein beachtlicher Aktionsradius.

Bei Geburt verfügt der Mensch über 33 Wirbel. Im Zeitverlauf verschmelzen einzelne von ihnen, so dass wir als Erwachsene über grundsätzlich 25 Wirbel verfügen.

Die Belastung der Wirbelsäule nimmt nach unten hin zu, so dass dort auch die meisten Rückenbeschwerden auftreten. Schmerzen im Rücken lassen sich grob nach ihrer Lokalisation einteilen:

  1. Halswirbelsyndrom
  2. Brustwirbelsyndrom
  3. Lendenwirbelsyndrom

Die Wirbelsäule bildet das wesentliche Element zum Verständnis warum uns ab und an der Rücken schmerzt. Wichtig hierbei ist nun besonders das Verständnis für die Aufgabe der Bandscheiben.

Bandscheiben

Zwischen den einzelnen Wirbelkörpern befinden sich Bandscheiben. Sie bestehen grob gesprochen aus zwei Teilen:

  1. Faserring
  2. Gallertkern

Du kannst Dir Bandscheiben als eine Art Wasserkissen vorstellen, das bei Belastung Wasser abgibt und in Phasen der Ruhe und Entspannung wiederum Wasser aufnehmen kann.

Der ständige Wechsel zwischen Be- und Entlastung ist wichtig, um Bandscheiben mit Nährstoffen zu versorgen. Können sich Bandscheiben nicht ausreichend erholen, kann dies zu einem schnelleren Verschleiß bis hin zu Bandscheibenvorwölbungen oder gar Bandscheibenvorfällen führen.

Rückenmuskulatur

Der Skelettmuskulatur kommen verschiedene wichtige Aufgaben zu. Sie gibt dem Körper Wärme und ermöglicht erst Bewegung.

Die Rückenmuskulatur lässt sich grob in zwei Gruppen unterteilen:

  1. Pimäre bzw. autochthone Rückenmuskulatur: sie lagert direkt der Wirbelsäule an, ist äußerlich nicht sichtbar und ihr kommt bei Bewegung insgesamt und der Beweglichkeit der Wirbelsäule eine wichtige Bedeutung zu.
  2. Sekundäre bzw. aufgelagerte Rückenmuskulatur: der deutsche Begriff deutet bereits auf die Lokalisation hin. Die aufgelagerte Rückenmuskulatur ist äußerlich erkennbar und verbindet Arme, Kopf und Brustkorb mit der Wirbelsäule.

Faszien

Faszien sind faszinierend. Die bindegewebeartigen Häute umspannen nahezu alle „Bausteine“ unseres Körpers. Sie umhüllen Muskeln genauso wie Knochen oder innere Organe.

Entscheidende Funktion kommt Faszien besonders aber bei der Formgebung unseres Körpers zu. Denn Faszien trennen einzelne Bereiche sozusagen relativ flexibel voneinander ab. Sie ermöglichen damit einerseits, dass Organe sich in gewissem Spielraum verschieben lassen, jedoch auch immer wieder an den vorbestimmten Ort zurückkehren.

Faszien trennen auch einzelne Muskeln bzw. Muskelgruppen voneinander und tragen auch zum Transport der Lymphflüssigkeit bei. Sehr vereinfacht gesprochen funktioniert dies umso besser je mehr Muskeln und Faszien in Bewegung bleiben.

Bei anhaltendem Bewegungsmangel kann die Lymphe nicht so gut fließen. In der Folge entsteht durch einen komplizierten Umwandlungsprozess eine klebrige Flüssigkeit, die dann tatsächlich das Fasziengewebe verkleben lässt.

Diese verklebten, filzigen Strukturen können dann zu Muskelverspannungen führen, so dass unser Rücken schmerzt.

Ursachen für Rückenschmerzen

Warum der Rücken schmerzt kann eine ganze Reihe von Ursachen haben. Die meisten Beschwerden am Rücken bezeichnen Fachleute als unspezifisch. Es lässt sich kein konkreter Grund für ihre Entstehung identifizieren.

Wir möchten deshalb zunächst nur kurz auf konkrete Krankheitsbilder als Ursache für Rückenschmerzen nennen bevor wir uns anschließend einigen leider weitverbreiteten und alltäglichen Gründen zuwenden möchten.

Krankheiten

Zu den wesentlichen ernsthaften Erkrankungen der Wirbelsäule gehören folgende:

  1. Bandscheibenvorfall
  2. Skoliose
  3. Morbus Bechterew
  4. Morbus Scheuermann
  5. Spondylolisthesis
  6. Spinalkanalstenose

Wir möchten an dieser Stelle nicht im Detail auf die einzelnen Krankheitsbilder eingehen. Die separaten Artikel bieten Dir jedoch viele Informationen rund um Ursache, Symptome, Diagnose und Behandlung dieser Wirbelsäulenerkrankungen.

Bewegungsmangel

Einer der wesentlichen Gründe warum der Rücken schmerzt liegt sicherlich in einem offensichtlich allgegenwärtigen Bewegungsmangel.

Wir sind schon lange kein Volk der „Jäger und Sammler“ mehr. Vielmehr zeichnet sich unsere moderne Leistungsgesellschaft eher durch Bewegungsverweigerung aus.

Einige Zahlen rücken dies in Perspektive. Ein Büroangestellter, der mit dem eigenen Auto oder öffentlichen Verkehrsmitteln zur Arbeit pendelt legt täglich lediglich geschätzte 1.500 Schritte zurück.

Fitness-Tracker empfehlen interessanterweise meist 10.000 Schritte am Tag zu gehen. Diese Zahl entstammt übrigens keiner wissenschaftlichen Studie sondern einer Marketing-Kampagne im Rahmen der olympischen Spiele in Japan und hält sich bis heute wohl hartnäckig. 

Die Wahrheit liegt oft in der Mitte. Vielleicht müssen es nicht täglich 10.000 Schritte sein – aber eben auch nicht nur 1.500. Mit im wahrsten Sinne des Wortes mehr kleinen Schritten ginge Bewegungsintensität in die richtige Richtung.

Während unsere Vorfahren sich gezwungen sahen, täglich aufs Neue Nahrung zu besorgen und sich viel bewegten, zwingt uns unsere Leistungsgesellschaft scheinbar immer mehr in Bewegungsarmut. Aber muss das wirklich sein?

Von Natur aus ist der Mensch ein Läufer – und unterfordert mittlerweile seinen hierfür gebauten Körper massiv. Ethnische Gruppen wie die San legen jährlich bis zu 4.000 Kilometer auf der Jagd zurück – der moderne Mensch sitzt sich krank.

Wie oben angerissen begünstigt mangelnde Bewegung das Verkleben von Faszien oder einen schnelleren Verschleiß von Bandscheiben, Gelenken oder Wirbelkörpern.

Im Bewegungsmangel unserer heutigen Gesellschaft liegt einer der wesentlichen Gründe warum unser Rücken schmerzt.

Alltagsverhalten

Sicherlich gehört Bewegungsmangel zum alltäglichen Verhalten vieler. Wir möchten an dieser Stelle jedoch nochmals einige weitere Aspekte unseres Alltagsverhaltens als Faktoren abgrenzen warum der Rücken schmerzt.

  • Im Büro verbringen wir oft viel Zeit im Sitzen. Sicherlich lassen sich ausgedehnte Sitzphasen bei vielen Berufsbildern nicht vermeiden. Wer statisch sitzt schadet seinem Rücken möglicherweise. Experten für betriebliche Gesundheitsförderung und Ergonomie raten zu dynamischem Sitzen, um Bandscheiben und Rückenmuskulatur auch beim Sitzen etwas zu entlasten.
  • Täglich benutzen wir oft viele Stunden unser Handy. Teilweise halten wir die kleinen elektronischen Helferlein lange Zeit vor unseren Körper mit erstaunlich hohen Belastungen für unseren Nacken. Nicht umsonst heißen diese Beschwerden umgangssprachlich Handynacken.
  • Stöckelschuhe können auch ein Grund sein warum der Rücken schmerzt. Sie führen zu einer unnatürlichen Gewichtsverlagerung und möglicherweise zu einem Hohlkreuz.
  • Auch einseitig getragene Handtaschen können durch die einseitige Belastung Gang und Haltung ungünstig beeinflussen. Besser wäre es, das Gewicht auf zwei Schultern zu verteilen.
  • Auch beim Heben eines mehr oder minder schweren Gegenstandes beanspruchen wir unseren Rücken teils stark. Je weiter die Haltung gebückt ist, umso mehr nehmen die Kräfte auf unseren Rücken durch die Belastung zu.

Stress und psychische Faktoren

Experten wissen heutzutage um die wesentliche Rolle von Stress bei der Entstehung und Chronifizierung von Rückenschmerzen. Warum uns der Rücken schmerzt hängt also nicht nur von körperlichen Faktoren ab, sondern auch von psychischen Einflüssen.

Positiver Stress versetzt den Körper schnell in einen kurz anhaltenden hohen Leistungszustand. Anschließend benötigt unser Körper jedoch wieder Ruhephasen und Möglichkeiten, Stress abzubauen.

Bestehen jedoch dauerhaft Stress auslösende Impulse kommt der Körper möglicherweise nicht mehr zur Ruhe. Der Stress führt zu verschiedenen negativen Auswirkungen.

Am Rücken äußert sich ein anhaltendes, hohes Stresslevel durch einen höheren Spannungszustand der Muskulatur mit der der Folge möglicherweise entstehenden Verspannungen und Beschwerden.

Fazit – warum schmerzt der Rücken denn nun?

Warum der Rücken schmerzt lässt sich oft nicht auf einen einzelnen Grund zurückführen. Einen Großteil aller Rückenschmerzen bezeichnen Experten als unspezifisch, da keine konkrete Ursache zu entdecken ist.

Wirbelsäulenerkrankungen machen jedoch lediglich einen kleineren Teil der Rückenbeschwerden aus.

Mit dem Verständnis für die Anatomie unseres Bewegungsapparates im Rücken bestehend aus Wirbelkörpern, Bändern, Gelenken, Rückenmuskulatur, Bandscheiben und Faszien ergeben sich bereits die wesentlichen Gründe warum der Rücken schmerzt.

Ein allgegenwärtiger Bewegungsmangel gepaart mit einem ungünstigen Alltagsverhalten begünstigt einen schnelleren Verschleiß der „Bauteile“ und damit die Entstehung von Rückenschmerzen.

Stress und andere psychischen Faktoren spielen nach heutigem Verständnis der Wissenschaft eine große Rolle bei der Entstehung und leider auch der Chronifizierung von Rückenbeschwerden.

Und eigentlich könnte es so einfach sein: Bewegung, Bewegung, Bewegung! Natürlich sollten dies sinnvolle, der körperlichen Konstitution angepasste rückenfreundliche sportliche Betätigungen sein. Möglicherweise empfiehlt sich im Vorfeld die Abklärung mit dem Hausarzt. In jedem Falle sollten Sportarten unter fachkundiger Anleitung erlernt werden.

Eine in 2016 publizierte Studie kommt zu einem überraschenden Schluss: täglich eine Stunde Bewegung kann helfen, die negativen Auswirkungen eines kompletten Tages Sitzen zu kompensieren.

In mehr Bewegung liegt der Schlüssel zur Vermeidung eines großen Teils an Rückenbeschwerden, so dass uns der Rücken zukünftig hoffentlich zumindest weniger schmerzt.

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