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Bewegungskonzepte für das Büro müssen Spaß machen!

Bürostuhl und richtig sitzen


Stühle ’raus – Stehtische ’rein: Mehr Bewegung im Büroalltag

ARTIKEL von Stefan Füger | 24.09.2014

Interview mit BGF-Geschäftsführerin Dr. Julia Schröder

Bewegung bleibt die Nummer 1 für Gesundheit – auch in Unternehmen.
 
Das zeigte einmal mehr das Ende November 2012 in Köln durchgeführte Symposium des Instituts für Betriebliche Gesundheitsförderung (BGF).
 
Wir sprachen mit BGF-Geschäftsführerin Dr. Julia Schröder über innovative Bewegungskonzepte am Arbeitsplatz.

 

BVPG: Frau Dr. Schröder, psychische Belastungen in der Arbeitswelt sind derzeit in aller Munde. Sie legten – entgegen dem Trend – in Ihrem Symposium den Fokus auf Bewegung. Was war der Grund dafür?

Dr. Schröder: Zwei Überlegungen waren ausschlaggebend: Erstens wollten wir auf die nach wie vor wichtige Bedeutung der physischen Gesundheit im Berufsleben hinweisen. Denn es sind immer noch die nicht-psychischen Diagnosegruppen, die in den Fehlzeitenstatistiken dominieren. Mit über 22 Prozent aller Fehltage verursachten Muskel-Skelett-Erkrankungen auch im vergangenen Jahr einmal wieder signifikant mehr Arbeitsunfähigkeitstage als jede andere Diagnosegruppe.

Bewegungsmangel ist ein zentraler Risikofaktor, der zahlreiche Erkrankungen verursachen kann – zum Beispiel Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Erkrankungen des Muskel-Skelett-Systems oder Diabetes. Epidemiologische Studien zeigen, dass regelmäßige körperliche Bewegung sogar das Risiko für einige Krebserkrankungen verringern kann.

Der zweite Grund war jedoch auch der erschreckend starke Anstieg der psychisch bedingten Krankschreibungen in den letzten Jahren. Und vor allem die Tatsache, dass dieses  Thema meist nur eindimensional und viel zu wenig „interdisziplinär“ betrachtet wird.

Es gibt zahlreiche nachgewiesene Wirkungszusammenhänge zwischen der Psyche und dem Körper. So existiert beispielsweise eine enge Wechselbeziehung zwischen unserem Lebensstil und der Art, wie wir Stress erleben. Bewegung hilft in stressigen Situationen, den „Kopf wieder frei zu bekommen“.

Darüber hinaus führt Bewegung dem Körper mehr Sauerstoff zu und unterstützt die Abwehrkräfte, ist also positiv für das Immunsystem. Regelmäßige Bewegung wirkt sich daher nicht nur positiv auf die körperliche Konstitution aus, sondern verbessert auch die kognitive Leistungsfähigkeit und die Stressresistenz.

[RUECKENTIPP-01]

BVPG: Was zeichnet denn innovative Bewegungskonzepte am Arbeitsplatz aus?

Dr. Schröder: Das wichtigste ist, dass die Bewegungskonzepte den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern Spaß machen und sich so in die Arbeitsabläufe integrieren lassen, dass sie nicht zu einem störenden Faktor werden. Denn nur so besteht die Chance, dass langfristige Verhaltensänderungen erzielt werden und Bewegungskonzepte im betrieblichen Alltag überdauern.

Wichtig ist daher, die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter nicht mit einer Flut von Tipps und guten Ratschlägen zu überfrachten, sondern gezielt je nach den spezifischen Anforderungen des Arbeitsplatzes und der Tätigkeit umsetzbare Konzepte auszuprobieren und die Betroffenen dabei mit einzubeziehen.

Wichtig ist zudem, dass man mit einer Analyse der Arbeitsplatzverhältnisse und des konkreten Bewegungsverhaltens am Arbeitsplatz beginnt und dort die Mitarbeiter anspricht. Hier kann ich die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter erreichen und motivieren.

Biete ich hingegen nur Bewegungskonzepte außerhalb des Arbeitsplatzes an, zum Beispiel durch Betriebssportangebote, werde ich höchstwahrscheinlich nur die Personen erreichen, die ohnehin ein hohes Gesundheitsbewusstsein haben.

BVPG: Was können Unternehmen konkret tun, um für mehr Bewegung zu sorgen?

Dr. Schröder: Wir machen sehr gute Erfahrungen mit der Ausbildung von Bewegungscoaches in Unternehmen. Das heißt, wir bilden Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die Freude an Bewegung haben und einen „guten Draht“ zu ihren Kolleginnen und Kollegen haben, zu Multiplikatoren aus, die im Unternehmen beispielsweise kleine Bewegungspausen durchführen.

Ziel ist es, regelmäßig Bewegungspausen im Team oder in der Abteilung durchzuführen. Also fünf bis zehn Minuten Lockerungs- und leichte Kräftigungs- oder Koordinationsübungen, die den Belastungen im Arbeitsprozess entgegen wirken und eine effektive Regeneration bewirken.

Unsere Erfahrungen zeigen, dass eine eventuelle anfängliche Skepsis schnell weicht, die Beteiligten viel Spaß an den Übungen haben und die Pause zu schätzen wissen.

Darüber hinaus gibt es jedoch noch zahlreiche weitere Möglichkeiten, um für mehr Bewegung im Unternehmen zu sorgen. So ist es beispielsweise gerade in Unternehmen mit einem hohen Anteil an Büroarbeit und damit rein sitzenden Tätigkeiten lohnenswert, sich einmal die Gestaltung des Treppenhauses, der Sitzungsräume oder der Büros selbst anzusehen.

Hier gibt es viele Möglichkeiten, Anreize für mehr Bewegung zu setzen. Was spricht dagegen, einen der Sitzungsräume umzugestalten, indem Stühle und Sitzungstisch durch einen Stehtisch ersetzt werden, so dass „Stehungen“ anstatt Sitzungen abgehalten werden können?

Oder die Positionierung der Drucker und Faxgeräte zu überdenken, um sie dann so aufzustellen, dass ein paar Schritte mehr gegangen werden müssen, um sie zu erreichen?

BVPG: Frau Dr. Schröder, wir danken Ihnen für dieses Gespräch.

Die Fragen stellte Dr. Beate Grossmann.

Weitere Informationen zum BGF-Symposium erhalten Sie hier: www.bgf-institut.de

Redaktion: Dr. Beate Grossmann, Bundesvereinigung Prävention und Gesundheitsförderung e.V. (BVPG)

Quelle Text: www.bvpraevention.de

 

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