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Behandlung von Rückenschmerzen


Ärzte röntgen zu oft bei Rückenschmerzen

ARTIKEL von Stefan Füger | 12.12.2016

Röntgen häufig unnötig

Wenn Patienten in Deutschland wegen Rückenschmerzen ihren Arzt aufsuchen, wird häufig unnötig geröntgt.

Zu oft wählen Ärzte bildgebende Verfahren als Teil der Ursachenforschung und Behandlung von Rückenschmerzen.

Vergütungsstruktur von Ärzten und hohe Patientenerwartung an Ärzte könnten Teil der Ursache sein.

Fotowahn in deutschen Arztpraxen

Mit den Worten “Ich habe leider kein Foto für Dich” verabschiedet eine Casting-Show ausgeschiedene Teilnehmerinnen.

In deutschen Arztpraxen scheint das Gegenteil der Fall zu sein: zu oft röntgen Ärzte bei Rückenschmerzen laut den Ergebnissen einer aktuellen Studie der Bertelsmann Stiftung.

Ohne Röntgen, MRT und CT mit dem Ergebnis eines Bildes der vermeintlich Schmerz verursachenden Rückenpartien kommen demnach zu wenige Behandlungen aus.

Rückenbeschwerden: viele Arztbesuche, unnötige Untersuchungen

Die Studie kommt zu den generellen Aussagen, dass Rückenschmerzen erstens viele Arztbesuche verursachen und zweitens Ärzte hierbei dann unnötig oft bildgebende Untersuchungen wie Röntgen einsetzen.

Natürlich gilt es den Anschein einer Schwarz-Weiß-Färberei zu vermeiden. Einen Teil der Rückenschmerzen verursachen tatsächlich schwerwiegende Wirbelsäulenerkrankungen, Verletzungen oder andersartige krankhafte Veränderungen am Bewegungsapparat.

Entsprechend sinnvoll und notwendig bei der Anamnese gestaltet sich in diesen Fällen natürlich auch die Nutzung bildgebender Verfahren wie Röntgen, CT oder MRT.

Den Großteil der Rückenschmerzen bezeichnen Experten jedoch als unspezifisch. Eine konkrete Schmerzursache kann in diesen Fällen nicht identifiziert werden.

Die nachfolgenden Zahlen sind jedoch erstaunlich bis erschreckend und unterstützen die obige Aussage, dass Rückenbeschwerden viele Arztbesuche verursachen und dabei unnötig häufig bildgebende Untersuchungen durchgeführt werden.

Der Studie der Bertelsmann Stiftung zufolge stellt sich die Situation folgendermaßen dar:

  • Im Jahr 2015 suchte jeder fünfte deutsche gesetzlich Versicherte mindestens einmal jährlich einen Arzt wegen Rückenbeschwerden auf.
  • 27% der Patienten mit Rückenschmerzen suchten einen Arzt sogar viermal oder öfter auf.
  • Die Anzahl ambulanter Behandlungsfälle wegen Rückenschmerzen steigt langsam weiter an. Je 1.000 Versicherte lag die Zahl hier bei 469. Im Jahr 2009 wurden nur 433 gemessen.
  • Unter der Annahme vergleichbarer Zahlen für privatversicherte Bundesbürger ergeben sich insgesamt geschätzte 38 Millionen Behandlungsfälle wegen Rückenschmerzen im Jahr 2015.

Neben der Anzahl der Behandlungen fokussiert die Studie ebenfalls die Art der Untersuchung:

  • Im Jahr 2015 führten Ärzte an 375 von 1.000 Patienten mit Rückenschmerzen bildgebende Untersuchungen durch (hiervon: 202 Röntgen, 34 CT, 139 MRT).
  • Zwar fällt die Gesamtzahl tendenziell (2009: 406 bildgebende Untersuchungen), der Anteil und die absolute Zahl an CTs steigen jedoch.

Entsprechen lässt sich bis hierher zumindest festhalten, dass Rückenschmerzen viele Arztbesuche verursachen und bei diesen Behandlungsterminen bildgebende Verfahren wie Röntgen häufig zum Einsatz kommen.

Nur bei Warnsignalen weiterführende Diagnostik empfohlen

Die Nationale VersorgungsLeitlinie Kreuzschmerz legt nur bei Warnsignalen (sogenannter Red Flags) für schwerwiegendere Ursachen von Rückenschmerzen eine weiterführende Diagnostik nahe.

Bei Patienten mit Warnsignalen führten Ärzte bildgebende Untersuchungen erwartungsgemäß auch häufiger durch. Jedoch liegt die Zahl je 1.000 Versicherten bei mehr als 160, auch wenn keine Warnsignale vorlagen. Die Entscheidung, ob geröntgt wurde oder nicht, hing also nicht allein am Vorliegen spezifischer Warnsignale.

Orthopäden verwenden konventionelle Röntgenaufnahmen übrigens öfter als niedergelassene Ärzte. Über die Gründe hierfür lässt sich lediglich spekulieren. Hängt es vielleicht an einer etwas anderen Klientel oder dem schieren Vorhandensein der nötigen Infrastruktur einhergehend mit ökonomischen Anreizen von Vergütungsstrukturen?

Ärzte röntgen zu früh

Die Studie kommt weiterhin zum Ergebnis, dass nicht nur insgesamt zu oft geröntgt wird, sondern dass bildgebende Verfahren auch zu früh im Behandlungsprozess zum Einsatz kommen.

Die bereits zitierte VersorgungsLeitlinie Kreuzschmerz empfiehlt auf bildgebende Diagnostik innerhalb der ersten vier bis sechs Wochen nach dem Erstereignis (also des Beginns der Schmerzen und der Konsultation eines Arztes) zu verzichten, sofern keine Red Flags vorliegen. Grund hierfür sei die „gute Prognose“ nichtspezifischer Kreuzschmerzen.

Innerhalb der Patienten mit neu aufgetretenen Rückenschmerzen wurden 22% innerhalb des ersten Quartals nach dem Erstereignis jedoch bildgebend untersucht.

Zudem erhielten mehr als die Hälfte der bildgebend untersuchten Rückenpatienten im Vorquartal keine konservative Behandlung. Lediglich bei 46% wurde Physiotherapie, Chiropraktik etc. angewandt, um die Rückenbeschwerden zu lindern oder zu beseitigen.

Hohe Erwartungshaltung von Rückenpatienten

Die hohe Erwartungshaltung von Rückenpatienten an den behandelnden Arzt trägt möglicherweise das ihrige zur Gesamtsituation bei.

Wenngleich 85% der Rückenschmerzen als unspezifisch zu bezeichnen sind ist die Überzeugung patientenseitig scheinbar groß, dass bei Beschwerden im Rücken unbedingt ein Arzt aufzusuchen sei.

Weiterhin kommen Patientenbefragungen zum Ergebnis, dass bildgebende Diagnostik wie Röntgen Teil der Behandlung zur schnellen Identifikation der Schmerzursachen sein sollte.

Fazit zu Rückenschmerzen und Röntgen

Rückenschmerzen bilden einen Aspekt unserer modernen Leistungs- und Wohlstandsgesellschaft. Damit einhergehende steigende Zahlen ambulanter Behandlungen gehören dazu.

Hierbei kommen insgesamt zu viel und vor allem auch zu früh bildgebende Diagnostikverfahren wie Röntgen, CT oder MRT zum Einsatz.

Woran dies konkret liegt lässt sich sicherlich nicht allgemeingültig beantworten. Möglicherweise tragen ökonomische Anreize der Vergütungsstruktur bei Ärzten und hohe Erwartungshaltungen von Rückenpatienten an behandelnde Ärzte bei.

Vielleicht findet ein Umdenken statt. Und vielleicht haben dann Ärzte zukünftig in weniger Fällen ein Foto für ihre Rückenpatienten?!

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